Schon wieder ein neues Boot?

Ja wir haben es schon wieder getan.
Wir haben unser Boot verkauft und ein neues Boot gekauft. 



"Warum? Wie kommts? Und weshalb?"
Das wollen wir euch gerne erklären. 

Die meisten halten uns vielleicht für verrückt oder sprunghaft. Doch beides liegt uns aber ganz im Gegenteil total fern. Wer diesen Beitrag bis zum Ende liest, wird unsere Intention sicher verstehen. 

Wir hatten im Herbst letzten Jahres das Bedürfnis, nochmal ein sportliches Boot mit besseren Segeleigenschaften als Fahrtensegelboot für uns als Familie auszuprobieren. 

"Hättet ihr so ein Boot zum ausprobieren nicht einfach charten können?"

Nein das kam für uns nicht in Frage. Zum einen besitzen wir aktuell trotz jahrelanger Segelerfahrung (noch) keinen offiziellen Segelschein,
. Den man zwar in der Seeschifffahrt überhaupt nicht, doch wird er aber eigentlich von allen Charterunternehmen als Bedingung vorausgesetzt.

Zum anderen hätte uns eine Woche Charter für die Entscheidungsfindung vermutlich nicht wirklich ausgereicht. 

Außerdem war das für uns rein wirtschaftlich gar nicht sinnvoll 
Für eine Woche chartern bezahlt man für ein Boot in der betreffenden Größe ca. 1500€. Das entspricht in etwa den Anschaffungskosten für einen hochwertigen Kartenplotter, einem hochwertigen Autopiloten oder anderen kostspieligen Zubehörteilen, die man in sein eigenes Boot investieren könnte. 
Mit dem Verkauf unseres letzten Bootes hatten wir durch viele Refit- Arbeiten, die wir in Eigenregie durchgeführt hatten, eine kleine Wertsteigerung erzielt. So haben wir im Vergleich zum Chartern nicht nur Geld gespart, sondern sogar einen kleinen Gewinn erzielt, den wir wieder in den Kauf eines neuen Bootes investieren konnten. Außerdem hatten wir mit dem Boot eine Saison lang ganz viel Segel- und Reisespaß als Familie. So konnten wir ganz in Ruhe feststellen, was wirklich unsere wichtigsten Bedürfnisse an Bord bei jedem Wetter sind. 

"Bei jedem Wetter?"

Ja, bei jedem Wetter! Wenn man nur eine Woche im Sommer ein Boot mietet, kommt man wahrscheinlich nicht in den Genuss, alle Temperaturen und Niederschlagsarten an Bord auszuprobieren. 

Für uns war aber gerade diese Frage ganz wichtig. Wir hatten auf unserer LM 27 mit dem Deckshaus einen besonderen Komfort. Sowohl bei schlechtem Wetter, als auch bei praller Sonne. Diesen Schutz vor den Witterungen haben wir auf der Dehler 31 am meisten vermisst. 

Nur die Segeleigenschaften waren bei der LM 27 eben nicht so der Hit....

Der Rumpf der LM 27 ist sehr voluminös und bauchig geschnitten. Er erinnert eher an einen alten Fischkutter, als an ein Segelboot. Gepaart mit dem flachen Langkiel waren von diesem Boot natürlich keine Wunder zu erwarten, was den Wendewinkel und insgesamt die Performance am Wind anging. 

Auf Vorwind- oder Raumschotkursen jedoch war die Leistung der LM nicht nur ausreichend, sondern für so ein schweres, dickes Boot sogar ziemlich beeindruckend. Wir haben damit an guten Tagen bis zu 7 Knoten Fahrt gemacht und hatten auch sonst damit ziemlich viel Spaß beim Segeln. 
Nur zum Höhe machen (gegen den Wind segeln) reichte es dann oft nicht aus, weshalb dann oft das Eisensegel (der Diesel) benutzt wurde. 

Dann war da noch die Sache mit dem Cockpit...

Denn das Cockpit war bei der LM 27 nicht selbstlenzend. Das heißt, dass hereinkommendes Wasser nicht automatisch abfließt, sondern vorerst den Niedergang hinuntersaust und erst wieder herausgepumpt werden muss, wenn man denn nicht durch die Masse des Wassers bereits in den U- Boot- Modus befördert worden wäre. 

Da auf der Ostsee solch hohe Wellen, die ins Cockpit einsteigen könnten, selten bis kaum vorkommen, ist dieses Problem natürlich für uns eher ein theoretisches gewesen. Und doch konnten wir uns in kabbeliger See nie ganz von dem Gedanken lösen, dass unter ganz, ganz blöden Umständen dieses Horrorszenario eintreten hätte können. 

Außerdem wollten wir uns natürlich die Option offen halten, unseren Aktionsradius auch auf andere, rauhere Seegebiete ausweiten zu können.  

So kam es zu der Idee mit der Dehler 31...

Sportlich, schnell, komfortabel, sicher und robust sollte das neue Boot sein. Nach Möglichkeit sollte es eine Achterkabine und eine größere Pantry besitzen. So landeten wir schnell bei diesem Modell und fanden auch bald ein passendes Angebot. 
Das Boot überführten wir von Bremerhaven nach Lübeck und begannen bald mit den Refit- Arbeiten. Nach einigen Tagen und Nächten an Bord stellten wir folgende Zwei Dinge fest: 

"Länge ist nicht alles" 

Länge läuft gut, bringt ein angenehmes Verhalten in der Welle und sorgt natürlich für ein gewisses Maß an Platz. 
Doch wenn das Boot trotz der Länge wenig Freibord besitzt und recht schmal geschnitten ist, wird man schnell feststellen, dass einige Boote mit z.B. 27 Fuß beim Platzangebot doch wieder die Nase vorn haben. Uns fehlten im speziellen ein paar praktische Staufächer, wie wir sie von der LM gewohnt waren und ein breites Sofa im Salon, wo wir als Familie kuscheln konnten. 

"Segelleistung ist nicht alles"

Die Segelleistung der Dehler 31 war wirklich gut. Wir waren echt begeistert von der Performance auf allen Kursen, den Wendewinkeln und der Schwerwetter- Tauglichkeit dieses Bootes. Doch wir merkten schnell, dass die Geschwindigkeit des Bootes auf einer Segelreise so einen großen Unterschied (für uns) macht. Für eine sportliche Runde nach Feierabend oder einen sportlichen Törn mit weit gesteckten Zielen ist die Leistung sicher entscheidend. Doch was wollten wir mit unserem Boot eigentlich machen? 
Wir wollten eigentlich möglichst entspannt von Bucht zu Bucht und von Hafen zu Hafen segeln. Als Familie wollten wir mit viel Zeit im Urlaub oder während der Elternzeit den Tag genießen. Dafür benötigt man wirklich kein Regattaboot und auch keinen "Cruiser- Racer" wie wir ihn in der Dehler hatten. 

Doch was für ein Boot könnte unsere Ansprüche in einem guten Kompromiss vereinen? 

Die Antwort hatten wir ziemlich schnell gefunden. Julia hatte ziemlich schnell den geflügelten Satz geprägt: "es ist halt keine LM". 
Immer wenn ihr wieder einmal ein Detail aufgefallen war, welches sie an Bord vermisste, entfuhr ihr dieser Satz. 

Also kam für uns wieder nur ein Boot aus dieser Werft in Frage. Von der Qualität und den Detaillösungen waren wir sowieso überzeugt. Dieses neue Boot sollte nur ein wenig besser segeln, als unser altes Modell. 

So schalteten wir alsbald eine Anzeige bei eBay Kleinanzeigen über unser Gesuch nach einem solchen Boot. Es kamen die LM 28, die LM 30 und die LM 32 für uns in Frage. Alle drei Boote hatten bereits das Unterwasserschiff und den Flossenkiel einer normalen Fahrtenyacht und dementsprechend bessere Segeleigenschaften, als die LM 27. 

Nachdem uns einige Boote angeboten wurden, die uns entweder nicht vom Hocker hauen konnten oder deutlich außerhalb unseres Budgets lagen, meldete sich schließlich ein Eigner, der eine LM 32 anzubieten hatte. Die Preisvorstellung klang vernünftig und das Boot wirkte solide. 

Mit einem angegebenen Yardstickwert von 110 kann man von diesem Modell natürlich keine seglerischen Wunder erwarten. Doch liegt dieser Wert nicht wirklich hinter den meisten Werten anderer, zeitgenössischer Fahrtenyachten zurück. Im Vergleich zur LM 27 mit einem Yardstickwert von 128 ist es allemal eine deutliche Verbesserung. 

Vor Ort bei der Besichtigung waren wir vom Platzangebot, dem geräumigen Salon- Sofa und dem Doppelstockbett in der Vorkoje ziemlich beeindruckt. Während Julia und Maja schon die Einrichtung und die Staumöglichkeiten planten, inspizierte ich mit dem Eigner alle Details an Bord akribisch von ganz achtern bis vorne zum Bug. 

Sowohl an Deck, als auch unter Deck trafen wir auf die gewohnte, solide Qualität einer LM, aber auch auf ein paar altersbedingte Baustellen. Wenn man seine Fähigkeiten einschätzen kann und die meisten Preise für Material und Ausrüstung kennt, weiß man zum Glück schnell, welche Kosten und welcher Aufwand für die jeweiligen Arbeiten aufgebracht werden müssen. Der angesetzte Preis lag trotz einiger Baustellen noch vollkommen im akzeptablen Bereich. Ich war aus technischer Sicht also zufrieden mit dem Boot. 

Eigentlich wollte ich mich mit Julia noch kurz beraten, bevor wir die Kaufzusage gaben, doch Julia platzte bereits kurz nach dem Verlassen des Bootes mit leuchtenden Augen heraus: "Ich will genau dieses Boot! Lass es uns kaufen!"

Da ich selbst auch keinerlei Einwände hatte, sprachen wir kurz über die festgestellten Mängel und zu erwartenden Kosten und teilten dem Verkäufer die frohe Kunde mit. Wir wurden handelseinig und machten sogleich Nägel mit Köpfen. 

Nun haben wir ein neues Boot und freuen uns schon riesig auf die anstehenden Arbeiten und die ersten Ausfahrten.  Wir werden bald über alles weitere berichten, was wir so bearbeiten und unternehmen. 

Bleibt dran! ...

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