Überwintern im Wasser? Tipps und Tricks
Für die meisten Bootseigner in Deutschland ist es ganz selbstverständlich, spätestens im November die Saison zu beenden und ihr Boot auf das Winterlager vorzubereiten. Das macht aus verschiedenen Gründen auch durchaus Sinn und soll mit diesem Beitrag gar nicht in Abrede gestellt werden. Man kann die kalte Zeit für kleine oder größere Reparaturen am Unterwasserschiff nutzen, sich in einer beheizten Halle mit verschiedenen umbauten und Erhaltungsmaßnahmen beschäftigen und das Boot wird ,zumindest bei einem Hallenstellplatz, deutlich besser vor der Witterung geschützt. Auch die Materialien haben in den Wintermonaten Zeit, mal richtig durchzutrocknen. Auch Kunststoffboote ziehen nach langer Zeit im Wasser ein wenig Feuchtigkeit, die angeblich auch im Rumpf messbar sein soll. Doch das ist nach einer Wintersaison im Wasser noch überhaupt nicht schädlich für das Material. Ich kenne persönlich ein paar Eigner, die ihre GFK- Boote seit Jahren nur im Wasser lagern und noch nie Probleme mit Osmose oder ähnlichen Schäden hatten.
Die Gruselmärchen von Booten, die durch das aufkommende Eis "zerquetscht" werden könnten, vergessen wir am besten mal ganz schnell wieder. durch die Rumpfform der Boote ist das Eis gar nicht in der Lage, viel Druck auf das Material aufzubauen. Die Eisschicht würde ein eingefrorenes Boot vielmehr nach oben "heben", bevor irgendwelche Schäden am Material entstehen könnten. Lediglich wenn in eurem Hafen die Gefahr von Treibeis besteht, könnten dadurch oberflächliche Beschädigungen am Gelcoat durch scharfkantige, treibende Eisschollen entstehen. Mir persönlich würden da als Risikogebiete der Hamburger Hafen einfallen, wo zeitweise große Eismassen auf dem reißenden Elbstrom durchgetrieben werden und möglicherweise ein paar ungeschützt gelegene Oststeehäfen, wo der Wind die Eisschollen im Winter stark anspült und auftürmt.
Ein Hafen wie unserer, in einem ruhigen Seitenarm der Trave gelegen, bietet sich für eine Überwinterung also geradezu an. Wenn ihr auch so einen passenden Liegeplatz habt, seid ihr Theoretisch in der Lage, ebenfalls eure Saison nicht enden zu lassen. Doch es ist natürlich nicht damit getan, einfach den Krantermin zu verschlafen. Die wunderschönen, ruhigen Stunden auf dem Wasser muss man sich schon ein wenig verdienen. Das Boot benötigt im Winter ein wenig mehr Pflege und Wartung als im Sommer. Spätestens, wenn die frostigen Tage sich häufen, sollten einige Schutzmaßnahmen in verschiedenen Bereichen ergriffen werden.
Motor
Ein Einbaudiesel oder ein fest installierter Außenborder kann durch starken Frost Schaden nehmen. Wenn das Kühlwasser (Seewasser) im Kreislauf gefriert, ist es mit unbarmherziger Kraft in der Lage, die Leitungen zu zerstören und dabei auch die Gussmetallteile des Motors zu zersprengen. Um dies zu verhindern kann man den Motor gründlich entwässern und den Kreislauf mit Kühlmittel (unbedingt biologisch unbedenkliche Mittel verwenden) fluten. so hat das Eis keine Chance mehr, die empfindlichen Systeme zu beschädigen. Wer in der Lage ist, seinen Motor garantiert vollständig zu entwässern, kann auf den Frostschutz natürlich auch verzichten. Jedoch hat dieser in der Regel auch noch die Zusatzfunktion, dass rosthemmende Strukturen enthalten sind. Das ist gerade bei einkreisgekühlten Motoren nicht zu verachten.
Leitungen
Was für den Motor gilt, gilt auch für die Wasserleitungen im Boot. Egal ob Frischwasser-, Seewasser- oder Abwasserführend. Alle Leitungen sollten eisfrei gehalten werden, weil die Gefahr von Frostschäden besteht. Die meisten Leitungen an Bord sind durch Kugelhähne verschließbar. Ein Tipp aus dem Seglerforum hierzu war, die Leitungen mit hochprozentigem Alkohol zu fluten und den Kugelhahn einmal zu öffnen, um die Mechanik darum ebenfalls vor Frost zu schützen.
Lenzrohre
Lenzrohre sollten auch im Winter nicht vollständig verschlossen werden. Es besteht natürlich die Gefahr, dass das Boot mit Regenwasser oder Schnee gefüllt wird und dadurch stark absinkt. Hierfür kann ich euch ebenfalls einen Trick weitergeben. Man kann sich aus den Schaumstoffummantelungen für Heizungsrohre lange, dünne Streifen schneiden und diese durch die geöffneten Lenzrohre einschieben, bis sie unten aus dem Rumpf herausschauen. Der Rohrquerschnitt wird dadurch leicht verringert, doch wird vermutlich ausreichen, um das Regenwasser langsam abfließen zu lassen. Das ausdehnende Eis hat nun am Borddurchlass genügend komprimierbares Material um sich herum, welches eine Sprengunug der Metall- oder Kunststofföffnung zuverlässig verhindert.
Kajüte/ Kabine
Im Wohnbereich der Schiffe bildet sich im Winter deutlich mehr Kondenswasser als im Sommer. Das feuchte und kalte Wetter begünstigt die Schimmelbildung und damit muffige und unangenehme Gerüche, die auch die Gesundheit nicht unbedingt fördern. Da dieser Punkt auch im Winterlager an Land ein wichtiger Punkt ist, gehen wir nur kurz darauf ein. Am effektivsten dagegen helfen eindeutig eine gute Belüftung der Räume und Isolation der Außenhäute. In Bereichen, wo kein Luftaustausch stattfinden kann, bildet sich schnell Schimmel. Spätestens nach dem ersten Winterlager hat man als Eigner jedoch schnell erkannt, wo die neuralgischen Punkte liegen und kann diese bearbeiten. Unterstützend kann man noch Lufttrockner mit Granulat oder effektivere, elektrische Luftentfeuchter installieren.
Leinen, Segel, Holz, Stoff
Das ganze saugfähige Material an Bord muss bei einer Überwinterung "ohne Dach", egal ob im Wasser oder an Land geschützt oder gepflegt werden, damit es lange erhalten bleibt. Grüne Algen, Schimmel und andere organische Strukturen bevölkern gerne die Materialien, in denen sich die Feuchtigkeit hält. Die Segel lassen sich wie auch im Sommer mit Persenningen schützen. Die Leinen und Schoten, auf die bei einer Überwinterung nicht verzichtet werden kann, sollten sauber aufgeschossen aufgehängt werden. Sie werden natürlich unvermeidbar ein wenig mehr Verschleiß durch Witterung und Sonne unterliegen. Das muss man dann aber wohl in kauf nehmen. Der Lohn dafür werden viele schöne Stunden auf dem Wasser sein.
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