Rettungswesten an Bord
Die Sicherheit an Bord hängt ja nicht unwesentlich mit der Ausstattung der Crew zusammen und sorgt im Zusammenspiel mit den Fähigkeiten und der Erfahrung der Besatzung für ein gut kalkulierbares Risiko auf Reisen.
Wir möchten deshalb hier ein paar Worte zu unserer Sicherheitsausstattung verlieren und heute mit der persönlichen Schutzausstattung beginnen.
Zunächst einmal kann man Rettungswesten ganz grob in zwei Gruppen einteilen.
Es gibt auf der einen Seite Feststoffwesten, welche mit einem schwimmfähigen Schaummaterial gefüllt sind. Dese Westen sind günstig und nahezu wartungsfrei, haben aber den Nachteil, dass sie voluminös sind und ein wenig unpraktisch sein können, weil sie die Bewegungsfreiheit an Bord einschränken. Außerdem wird es im Sommer unter der Weste schnell warm, was zu keine großen Akzeptanz führt.
Auf der anderen Seite stehen die Automatikwesten, welche im Prinzip aus einer Luftblase bestehen, die im passiven Zustand platzsparend gefaltet in einer Stoffhülle liegt und nur bei Kontakt mit dem Wasser oder manueller Auslösung durch eine Reißleine aufgeblasen wird. Der Auslösevorgang bei Wasserkontakt passiert durch eine Salztablette, welche in Sekundenschnelle aufgelöst wird und damit das Ventil freigibt, hinter dem sich eine CO2- Kapsel befindet, die ihren Gasinhalt dann in die Luftblase abgibt.
| Reißleine und Automatik- Einheit (Sichtfenster) |
Der Vorteile von Automatikwesten liegen auf der Hand. Sie sind platzsparend, beeinträchtigen die Anwender überhaupt nicht und selbst im Sommer sind sie nicht unangenehm zu tragen. Der Nachteil liegt eben darin, dass die Anschaffung und die Wartung kostspieliger sind. Eine Automatikweste unterliegt nämlich einem Verfallsdatum und bedarf einer regelmäßigen Wartung alle Zwei Jahre durch eine Fachfirma. Nach zehn Jahren Lebensdauer ist die Verfallsgrenze der Westen erreicht, die dann nur noch durch eine Jährliche Prüfung auf 14 Jahre erweitert werden kann.
| Prüfplakette mit Gültigkeitsdatum |
Da aber auch die sicherste Rettungsweste nur leben retten kann, wenn sie auch getragen wird, haben wir uns für die Verwendung von Automatikwesten entschieden. Wir tragen sie deutlich lieber, als die klobigen Feststoffwesten. Auch unsere kleine Matrosin trägt eine Automatikweste, die sie selbst beim Spielen in der Koje auch nicht auszuziehen braucht.
Auch das korrekte Anlegen der Automatik- Weste ist für die Sicherheit essenziell wichtig. Wenn die Weste zu locker sitzt, kann die Luftblase nach dem Auslösen über den Kopf rutschen. Die Auftriebswirkung ist damit dann natürlich nicht mehr gegeben und die Orientierung geht schnell verloren. Die Gurte der Weste dürfen aber ebenso nicht zu eng sitzen. Die Atmung darf nicht eingeschränkt werden, auch wenn die Weste ausgelöst wird. Ein beengtes Atem- Gefühl erhöht das Risiko einer lebensgefährlichen Panik im Wasser.
Die Ideale Gurteinstellung ist ungefähr erreicht, wenn zwischen Gurt und Oberkörper gerade noch die Fingerspitzen einer flachen Hand geschoben werden können. Besonders wenn ihr dickes Ölzeug tragt, solltet ihr die Weste gewissenhaft einstellen und ggf. nach ein paar Minuten noch einmal überprüfen. Die ganzen Kleidungsschichten geben beim Tragen noch nach und die Weste sitzt dann ggf. zu locker.
Der Schrittgurt wird ebenfalls gerne vernachlässigt. Er sorgt dafür, dass auch bei einem Sprung ins Wasser die Weste nicht über den Kopf rutscht. Er muss so gespannt sein, dass alle Tätigkeiten und Haltungen noch ohne ein Kneifen im Schritt möglich sind und darf dennoch nicht auf Höhe der Kniekehlen baumeln. Hier hilft also nur individuelles ausprobieren und einstellen.
Wenn erst einmal die richtige Einstellung gefunden ist, kann man die Weste den ganzen Törn lang nutzen und muss nicht mehr allzu viel daran herumstellen. Nur bei einem Wechsel der Oberbekleidung könnte dies nochmal interessant werden.
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