Wintersegeln?! Fazit nach einem Winterlager im Wasser
Mittlerweile haben wir den Winter so gut wie überstanden und sind in der Lage, euch einen Bericht zu unseren Erfahrungen und Eindrücken zur Verfügung zu stellen.
Mehrere Schlüsse haben wir aus diesem Winter gezogen:
Man kommt nicht so oft aufs Wasser, wie man denkt!
Wir haben uns eigentlich vorgestellt, dass wir jeden Monat wenigstens zweimal an Bord kommen, um im beheizten Boot einen schönen Tag zu verbringen oder ein wenig zu segeln. Doch wie das im Leben nun mal so ist, hat man im Winter einfach zu viele andere Termine und Projekte, die man ja schon im Sommer auf den Winter verschoben hat. "Das machen wir dann im Winter mal! da hat man ja Zeit" hörte ich mich oft sagen. Ja ja..., mit der Zeit hat man es im Winter besser als im Sommer, wo man ja auf dem Wasser sein, und das schöne Wetter genießen möchte. Doch da sind ja noch die Familie und Freunde, die man lange nicht gesehen hat. Da ist das Haus, wo man immer etwas zu tun hat. Da ist das Kaminholz, was sich nicht alleine sägt und hackt. Da sind die Autos und das Motorrad, die sich nicht alleine Pflegen und warten und vieles mehr. Unterm Strich haben wir es nur alle Zwei Monate mal für einen Tag an Bord geschafft. That´s Life! Für die Zukunft haben wir das auf jeden Fall gelernt und können das besser einschätzen.
Der Frostschutz ist aufwändig!
Die Leitungen an Bord müssen natürlich vor Frost geschützt werden. Das haben wir selbstverständlich gemacht, sodass wir auch keine Probleme mit zweistelligen Minusgraden an Bord hatten. Doch dieser zuverlässige Frostschutz erfordert natürlich auch ständig einen hohen Aufwand. Wenn man mal eben eine Tour machen möchte, müssen wenigstens die Seeventile vom Motor wieder geöffnet werden, damit der Motor sein Kühlwasser bekommt. Wenn man etwas abwaschen oder sich die Zähne putzen möchte, müssen auch hier die Leitungen geöffnet werden. Wenn man das Boot dann wieder verlässt, steht dann ebenso eine Neu- Befüllung der ganzen gefluteten Leitungen an. Das kostet Zeit und Geld und macht nicht allzu viel Spaß. Da überlegt man sich natürlich zweimal, ob man ablegen oder lieber am Liegeplatz bleiben möchte.
Geld spielt keine Rolle!
Der großspurige Spruch der reichen Segler ist in diesem Sinne nicht großkotzig gemeint. Reich sind wir ganz bestimmt nicht. Es ist vielmehr so, dass das Geld für uns in diesem Fall keine wirkliche Rolle gespielt hat. Wir haben ungefähr genauso viel bezahlt, als hätten wir unser Boot in unserem angestammten Winterlager an Land verbracht. Zusatzkosten gab es auch nicht durch die Lagerung im Wasser. Das kann aber natürlich von Hafen zu Hafen vollkommen unterschiedlich sein. Insbesondere die Krankosten könnten hierbei natürlich ein kostspieliges Argument sein.
Kondenswasser an Bord ist ein Problem!
Problem ist vielleicht auch schon zu viel gesagt. Es ist so, dass wir unsere sichtbaren Kontaktflächen zum Rumpf und zur Außenhaut des Bootes bereits mit kaschiertem Kunstleder bezogen haben. Die Schaumstoffkaschierung sorgt bereits für eine leichte Isolierung und reduziert die Bildung von Kondenswasser deutlich. Doch wer in Physik aufgepasst hat weiß, dass warme Luft einfach deutlich mehr Feuchtigkeit aufnehmen kann, als kalte Luft. Die schön beheizte Luft mit ein wenig Feuchtigkeit durch Atmung, kochen und andere unvermeidbare Ursachen an Bord trifft also auf die kältere Außenhaut und schon werden aus Luftfeuchtigkeit plötzlich kleine Tropfen, die sich auf den kalten Gegenständen niederschlagen und auf lange Sicht Schimmel und Muff verursachen. Um das zu vermeiden haben wir zwei Granulat- Luftentfeuchter in der Kabine aufgestellt, welche brav ihre Aufgabe erfüllen. Die Luft ist spürbar trockener und es gibt deutlich weniger Sorgen mit der Feuchtigkeit. Vor jedem Verlassen des Bootes sollte man jedoch alle Polster und andere saugfähige Materialien so positionieren, dass sie mit guter Belüftung stehen und keinen Kontakt zu kalten Flächen haben.
Silvester an Bord ist schön
Den 31.12. haben wir tagsüber noch mit Freunden an Bord verbracht, die später nach Hause gefahren sind. Es war leider zu stürmisch, um die geplante Ausfahrt zu machen, sodass wir lieber im Hafen geblieben sind. Doch der Abend war trotzdem sehr schön. Wir haben gemeinsam die Fernseh- Silvester- Klassiker geschaut, Karten gespielt, ein paar leckere Fingerfood-Snacks gegessen, waren noch im Nieselregen an der Promenade Spazieren und haben den Abend ganz entspannt auf dem kuscheligen Boot ausklingen lassen. Als es dunkel wurde, konnten wir uns die ersten Feuerwerke über Travemünde ansehen. Unter unserer Kuchenbude hatten wir eine wunderbare Aussicht auf die Stadt und die Trave. Wir haben es bis 23:30 Uhr ausgehalten, bevor wir müde und zufrieden ins Bett gefallen sind. Das eigentliche Feuerwerk um Mitternacht haben wir nur noch im Halbschlaf gehört und sind dann unter dem Geknatter der Knaller endgültig eingeschlafen. Es hört sich für euch vielleicht nicht spektakulär oder wie eine tolle Party an, aber für uns war es genau das, was wir an Silvester gerne tun. Als Familie zusammen sein, kuschelig sein und fernab des ganzen Trubels das Feuerwerk beobachten. Am Neujahrstag war ich dann noch mit einem Taucher-Freund aus dem Tauchverein in der Ostsee Apnoe- Tauchen (ohne Tauchgerät). Das Wasser war wunderbar klar und schön kalt. Es hat richtig Spaß gemacht, den Meeresgrund zu dieser Jahreszeit zu erkunden.
Gesamtfazit
Es ist für uns keine Frage, ob sich der Aufwand gelohnt hat. Es gab sehr schöne Tage an Bord, die wir sehr gerne als Erlebnisse in Erinnerung behalten und diese Erfahrung war für uns auf jeden Fall wichtig. Doch in Zukunft würden wir wahrscheinlich eher wieder das Winterlager an Land bevorzugen, wo man ein bisschen weniger Sorge um das Boot haben muss und sogar noch ein bisschen Pflege am Unterwasserschiff betreiben kann. Mit einem gut isolierten Boot würden wir dieses Experiment aber jederzeit wieder wagen und können nur empfehlen, diese Option für euch zumindest nicht auszuschließen.
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